| Bericht über das Leadershiptraining 2006 |
|
|
|
Bericht über das Leadershiptraining 2006 Datum: 15.-18.8.2006 Ort: Segelschiff Neerlandia, dänische Ostsee TeilnehmerInnen: 3 kongolesische Jugendliche, 14 TeilnehmerInnen der Ev. Jugend, 3 TeamerInnen
Das Leadershiptraining, geplant als JULEICA-Kurs XXL und internationale Jugendbegegnung zu einem Ökologischen Thema, stand unter dem Schock der nicht erteilten Visa durch die Deutsche Botschaft in Kinshasa, Kongo, für die weiblichen Delegationsmitglieder. So reduzierte sich die TN-Zahl der Kongolesen von 7 auf 3 Menschen. Außerdem waren wir sehr gespannt, ob das Schengener-Abkommen denn nun auch wirklich funktioniert und unsere kongolesischen Freunde nach Dänemark einreisen dürfen. Wie immer gab es jedoch keine Grenzkontrollen, so dass wir das bis heute nicht wissen. Des weiteren wurden wir „Opfer" des Sturmes am 13/14/15.8.06, der unser gechartertes Segelschiff daran hinderte den Starthafen Kappeln zu erreichen. Die gesamte Gruppe, das Busunternehmen, einige fahrende Eltern mussten am Abreisetag davon überzeugt werden, dass der Start statt Kappeln nun Rödby, DK sein wird. Allen flexiblen Menschen ein herzliches Dankeschön, auch für kosten- und zeitintensive Fahrdienste. Durch all diese Ereignisse wurde der erste Tag auf dem Schiff ein Tag im Hafen von Rödby. Starten konnten wir dann endlich am Morgen des 16. Augustes, jedoch von nun an ohne Wind, segeln war eigentlich nicht möglich.
Die neue Route: Von Rödby-Haven über Bagenkop nach Marstal und dann nach Kappeln.
Ankommen: Die Atmosphäre am Treffpunkt Am Alten Kirchhof war geprägt durch freudige Erregung und Neugier, da sich die meisten TeilnehmerInnen im Vorwege nicht kannten, gleichzeitig aber auch durch ein fröhliches Chaos und Umdisponieren. Bei fürchterlichem Unwetter ging es per Bus und Autos Richtung Puttgarden, so dass wir schon Befürchtungen hatten, wir würden jetzt an der Brücke nach Fehmarn scheitern. Dies blieb uns jedoch erspart. Eine stürmische Überfahrt, wegen der Kosten als Fußpassagiere bei strömenden Regen ließ uns sogleich die Wettertauglichkeit der TeilnehmerInnen prüfen. Die Fähre schaukelte ordentlich, so dass dem einen oder der anderen bereits mulmig wurde. Wieder festen Boden unter den Füßen schleppten wir unser Gepäck die ca. 500m zum Schiff, die Crew erwartete uns sehnlichst. Nach einer kurzen Einweisung wurden die Betten verteilt, dass Schiff erkundet und die Lebensmittel und Materialien eingeräumt. Erste Kommentare: Ist das schön - ganz schön edel das Schiff - man ist das eng hier - wo soll ich denn alle meine Sachen lassen - sind wir wirklich auf einem Schiff? Unsere kongolesischen Jugendlichen, seit 2 Tagen in Europa, kamen erst einmal aus dem Stauen nicht heraus. Ein wildes Sprachenkauderwelsch, deutsch, französisch, englisch, kisuaheli erfüllte die Kombüse bei den ersten Versuchen auf dem kleinen Raum für 23 Menschen zu kochen.
Programm am Abend: Durch die Wetterlage waren wir gezwungen unseren ersten Abend im Schiffsbauch zu verbringen. Folgendes Programm hat mit viel Einsatz und Freude stattgefunden:
Kommentar: Mit Freude haben wir zur Kenntnis genommen, wie schnell sich die kleinen Grüppchen gemischt haben, weiße und schwarze Menschen neugierig auf einander zugingen und miteinander spielten. Mit Staunen haben wir erleben dürfen, das jeder sich bzw. seinen Partner in einer ihm fremden Sprache vorgestellt hat.
16.8.06 Zielhafen Bagenkop Schlagartig hatte der Sturm morgens gegen 5 Uhr aufgehört, einige sind wach geworden, weil es mit einmal leise auf dem Schiff war. Der Wetterbericht, seit ein paar Stunden unsere wichtigste Info-Quelle, versprach jedoch nichts Gutes, Flaute statt Sturm. Trotzdem erhielten alle in Kleingruppen am Vormittag eine Einweisung ins Segeln, Verhalten auf dem Schiff und die Segel wurden gesetzt. Jedoch ohne dass wir mit deren Hilfe tatsächlich Fahrt aufnahmen. So war in der Sonne liegen, trödeln angesagt und Zeit für einen weiteren Programmpunkt.
Programm am Vormittag
Programm am Nachmittag
Kommentar: Großes Erstauen auf beiden Seiten über das eigene Wissen aber auch Unwissen bezüglich der Ostsee. Die verschiedenen Experimente zum Salzgehalt haben für Spaß gesorgt, beide Referenten haben gut in Englisch referiert. Koch- und Küchendienste wurden von nun an international verrichtet. Da keine afrikanischen Mädchen vorhanden waren, gab es nur wenig Gender Diskussionen. Die afrikanischen Jugendlichen, gut vorbereitet durch meinen Kollegen, haben sich sehr partnerschaftlich in der Kombüse verhalten. Gerade die „schrecklichen" und schweren großen Tomatensoßentöpfe haben sie übernommen. Einige deutsche Jugendliche bezweifelten, ob die Kongolesen trotz der guten Übersetzung überhaupt verstanden haben, was über die Daten und Fakten der Ostsee referiert wurde. Dies geschah wohl aus dem Entdecken der eigenen Unwissenheit. Jules Ilunga fragte nach dem Referat zugleich nach einem Handout. Im weiteren Verlauf der Begegnung wurde sehr deutlich, dass die jungen Kongolesen uns verstanden haben. (Kommentare zur Wasserverschwendung, Müllentsorgung).
Programm am Abend Bagenkop Aufgrund des guten Wetters Planungsänderungen. Wir gehen gemeinsam an den Strand von Bagenkop, sammeln oder entdecken Strandgut, erklären, suchen nach den englischen oder französischen Begriffen und spielen einige kooperative Spiele und schlicht Fußball. Außerdem gibt es einen kurzen Besuch im Hafen bei einem „Konzert" deutscher Seemannslieder auf Dänisch. In der Abendandacht geht es um die Bedeutung von Wasser in verschiedenen Religionen.
Kommentare von Jugendlichen nach diesen ersten 1 ½ Tagen: Weiblich, 14 Jahre: manchmal ist die Sprache doch ein Hindernis, so dass die Kontaktaufnahme schwer ist. Die Einheit über die Fakten zur Ostsee war toll. Erstaunt bin ich, dass die kongolesischen jungen Männer so selbstverständlich in der Küche mitarbeiten. Aufgefallen ist mir, wie erstaunt die Kongolesen über die Tierwelt der Ostsee waren. Das kurze Segeln hat, so glaube ich, allen viel Spaß gemacht und es war ja auch wichtig, dass wir gut zusammen arbeiten. Männlich, 17 Jahre: es ist voll toll mit den Kongolesen, mich hat jedoch überrascht, dass sie so zurückhaltend und schüchtern sind. Ich muss sehr sensibel und aufmerksam sein. Gute Übung. Das unterschiedliche Umgehen mit der eigenen Religion ist mir noch aufgefallen, obwohl ich ja auch aktiv in meiner Gemeinde bin, habe ich nicht so eine enge Beziehung zu Andacht feiern und über Glauben reden. Die haben auch eine andere religiöse Sprache, alle Achtung. Ich habe beobachtet, dass wir uns beim Aufeinander zugehen sehr abwechseln. Die verschiedenen Sprachen, das macht mir richtig Spaß. Ich freue mich auf meine weitere Gastgeberschaft, Kabulo wird ja auch eine Woche bei uns wohnen.
17.8.06 Zielhafen Marstal
Programm am Vormittag Nach und nach, in Fünfer-Gruppen, holt der Kapitän die jungen Leute in seine Kajüte und navigiert mit ihnen. Alle sind von dieser Einheit restlos begeistert. Auch der Kapitän über das fröhliche gemeinsame Lernen in der internationalen Gruppe. Die jeweils anderen Gruppen spielen oder erzählen an Deck, einige träumen. Eine Pfannkuchen-Orgie versüßt die Mittagsstunden, es entsteht mit den Kongolesen ein Gespräch darüber, ob das eine „richtige" Mahlzeit ist.
Programm über Mittag und am Nachmittag Weil wir nicht so richtig segeln können, ankern wir nach einigen Stunden Fahrt mitten auf der Ostsee und wer mag kann baden. Da unsere Kongolesen nicht wirklich schwimmen können, gehen „nur" die deutschen Jugendlichen ins Wasser. Die Kongolesen beobachten das ganze „Spektakel" mit Staunen und Irritation. Es wird viel gelacht. Die kongolesischen Männer scheinen nicht genau zu wissen, wo sie denn „hingucken dürfen", als die Mädchen in Badanzug/ Bikini oder kurzer Hose und T-Shirt ins Wasser springen, gleichzeitig sind sie aber sehr von dem Mut der deutschen Jugendlichen beeindruckt. Im späteren Verlauf des Tages finden sich kleine international gemischte Gruppen und Interviewpartner, um den Abend zum Thema: Leben von Jugendlichen im Kongo und in der BRD, vorzubereiten. Flip-Chartbögen werden vorbereitet, diese können der Dokumentation jedoch nicht beigelegt werden, weil bei der Abreise ein Opfer des erneuten Regens wurden). Da wir sehr früh in Marstal angekommen sind, besuchen wir das wunderbare kleine Schifffahrtsmuseum. Die gesamte Geschichte der Schifffahrt wird hier sehr anschaulich dargestellt, inklusive kleiner „echter Darstellungen vom Leben von Seemannsfamilien bzw. einer Multimedia-Animation von einer Schiffsreise auf einem Fischkutter".
Programm am Abend Nach dem Abendessen stellen die Gruppen sich gegenseitig die Flipchart Bögen zu den verschiedenen Lebenssituationen vor. Vieles wird noch mal nachgefragt, weil unverständlich. Große kulturelle Unterschiede kommen zum Vorschein. Lange Gespräche entwickeln sich zu der Frage von Freundschaft, Liebe und Ehe.
Anschließend verabreden sich alle Jugendlichen noch einmal gemeinsam zu einem Stadtbummel. Ebenso machen auch mein Kollege Jules und ich einen langen Spaziergang durch die Stadt. Dabei kommt es zu einigen intensiven Gesprächsthemen wie z.B.: Warum baut ihr eigentlich Keller? Wo lasst ihr eigentlich im Winter den Schnee, wenn er vor eurer Haustür liegt? Sowie den ganz anderen Bereich über Nazis in Deutschland heute und der deutsche Umgang mit der Geschichte. Dabei kommt es zu der Frage, ob die Zeit des Nationalsozialismus mit der aktuellen Vergangenheit im Kongo zu vergleichen sei. Ein sehr spannender Abend, der mit einer Lichterandacht endet.
Kommentar Ein reicher Tag! Der Vergleich der Lebenssituationen der jungen, teilweise gleichaltrigen Menschen, hat auf beiden Seiten für viel Staunen, viele Fragen, viel Kennenlernen gesorgt. Unsere beiden „jugendlichen" Kongolesen, 23 und 24 Jahre alt, waren verheiratet und bereits Väter von 1-2 Kindern. Von den deutschen jungen Menschen im Alter von 18-26 konnte sich dies keiner für die nahe Zukunft vorstellen. Die dadurch viel größere Verantwortung für das eigene Leben, aber auch das Leben in der Familie hat großen Eindruck hinterlassen, gerade angesichts der Armut (hier erfolgte ein Vergleich der Lebenshaltungskosten und Einnahmen). Mit ein wenig hilfloser „Belustigung" wurden Äußerungen wie: ich stelle Alkohol her, damit ich mir was dazu verdienen kann oder auf meinem Feld baue ich Tabak an, der bringt gutes Geld" aufgenommen, ihre Bedeutung aber nicht wirklich erfasst.
18.8.2006 Zielhafen Kappeln An diesem Morgen begrüßt uns eine wunderbare Sonne und anscheinend ein wenig Wind auch noch aus der richtigen Richtung. So segeln wir tatsächlich nach dem Frühstück mit viel Tatendrang los.
Programm am Vormittag Abwechseln, weil jedeR endlich mal segeln will, genießen wir den schönen Wind am Vormittag. Leider reicht dieser trotzdem nicht wirklich aus, um rechtzeitig in Kappeln zu sein. Per Fern-Telefonkonferenz wird mit Jules Ilunga das Interview für die Zeitung geführt. Die Fragen (siehe Pressespiegel) lösen weitere Gespräche und Diskussionen aus. Gleichzeitig haben wir am Abend noch einige Tiere der Ostesee mit dem Kescher gefangen und ordnen diese nun noch einmal unter Anleitung ihren Arten/ Lebensräumen etc. zu. Hierbei fällt besonders der sehr unterschiedliche Wissenstand auf, der erwartete Unterschied zwischen Kongolesen und Deutschen, aber auch ein riesiger Unterschied in der Gruppe der deutschen Jugendlichen.
Programm am frühen Nachmittag Heißt: Klar Schiff machen! Denn um 15.00 Uhr sollen wir Kappel erreichen und das Schiff wird um 16.00 Uhr der nächsten Gruppe übergeben.
Edwin, der Kapitän: Ihr wart eine tolle Gruppe, ich habe es noch nie erlebt, dass ich Regeln aufstelle und diese ohne weitere Erinnerung eingehalten werden. Es hat viel Spaß mit euch gemacht. Ihr wart so neugierig und interessiert. Mit euch fahre ich gerne den ganzen Sommer, das ist stressfrei. Jules: Toll, dieses Schiff, und das es wirklich schon so alt ist und alles funktioniert. Und sogar hier an Bord trennt ihr euren Müll. Nichts wird über Bord geworfen. Das enge Leben ist uns sehr vertraut, aber ich habe gemerkt, dass es manchmal den Mädchen schwer gefallen ist, dass sie nie alleine sein konnten. Warum möchtet ihr alleine sein? Katharina: Es hat so viel Spaß gemacht, dabei kannte ich doch vorher gar keinen. Ich finde es toll in so vielen Sprachen zu reden. Kabulo: Segeln ist toll, was ihr alles so über das Meer und das Wasser wisst. So viel lernen wir in unserer Schule nicht. Ich bin beeindruckt von dem Zusammenleben auf dem Schiff.
Abschließende Bewertung: Wenn ich die beiden Themen Ökologie und Interkulturelles Lernen neben einander stellen sollte, würde ich sagen war der Bereich interkulturelles Lernen viel größer. Dies lag vor allem daran, dass vieles durch das Zusammenleben einfach geschah. Die Enge und auch Nähe in einer Kabine, auf dem Weg zur Hafentoilette, in der Kombüse, aber vor allem das „aufeinander verlassen müssen beim Segeln hat viel dazu beigetragen. Die arrangierten Situationen, wie Andacht feiern oder Lebensumstände mit einander vergleichen haben einiges vertieft. Leider haben wir es aufgrund der notwendigen Änderungen und auch schlicht vergessener Beamertechnik nicht geschafft, das Kampagnenmaterial zum Menschenrecht auf Wasser zu bedenken. Ich erwarte hier noch weitere intensive Auseinandersetzung um das Thema Wasserverschwendung (Erfahrungen der jungen Männer: die (gemeint die Kongolesen) duschen gar nicht richtig, Jules benutzt immer seinen Waschlappen und reibt sich ganz ab; zeigen die möglichen Ansatzpunkte und kleinen Auseinandersetzungen mit dem Thema auf.
Fazit: eine intensive, reiche Fahrt, mit viel Austausch und internationalem gemeinsamen Leben. Die jungen Menschen sind angeregt und sensibilisiert für folgende Themenbereiche nach Hause gefahren:
In der kürze der Zeit konnte es keine kulturell geprägten Konflikte geben, wäre aber vielleicht mal sehr spannend gewesen. Die Neugier, das Aufeinaderzugehen der jungen Menschen war sehr groß und erfolgreich.
|
|
| Letzte Aktualisierung ( Freitag, 22. Dezember 2006 ) |



Vorbemerkung:
15.8.06 Zielhafen Rödby
Das
Wetter bleibt uns mit Flaute erhalten. Die Crew erkundet am Vormittag gemeinsam
mit uns die Zielmöglichkeiten für diesen Tag. Es wird leider nur Marstal
werden. Nach einem gemeinsamen Frühstück, verlassen wir den Hafen, ca. eine
Stunde als Kutter, dann versuchen wir zu segeln. Das bedeutet jedoch eigentlich
zu dümpeln. Windstärke 2, maximal.
Abschließende
Kommentare:
Das
Begegnungsprogramm der Kongodelegation fand mit dieser Segeltour einen
intensiven Anfang, die Auswirkungen haben wir in den kommenden Wochen erleben
dürfen(große Offenheit, große Gesprächsbereitschaft, intensives Hinterfragen
von deutscher Kultur und unseren Eigenheiten; 50% der deutschen TeilnehmerInnen
haben an weiteren Programmpunkten der Begegnung teilgenommen).